Das Ticken mechanischer Uhren macht einen Großteil ihrer Faszination aus. Denn es ist das akustische Zeichen für das präzise, ausgeklügelte Zusammenspiel winzig kleiner Teilchen und des wohldosierten Hin und Her der Kräfte.

Mechanische Uhren benötigen – anders als Quarz- oder Solaruhren – weder eine Batterie noch eine Lichtquelle oder Funksignale. Sie beziehen ihre Energie über das Spannen und anschließende Entspannen der Aufzugsfeder. Das Spannen kann per Hand erfolgen. Solche Handaufzugsuhren ohne Automatikaufzug müssen in der Regel einmal pro Tag voll aufgezogen werden. Daneben gibt es Uhrwerke mit automatischem Aufzug. Bei diesen Automatikuhren übernimmt eine Schwungmasse – auch Rotor genannt – den Aufzug. Und zwar permanent, solange die Uhr in Bewegung ist. Das Handgelenk versetzt die Schwungmasse in Bewegung. Über dieses Zusammenspiel von Schwungmasse und Räderwerk wird diese Bewegung auf die Zugfeder übertragen und in Kraft umgewandelt. Sie gibt die Kraft wiederum an das Räderwerk ab, und das Schwingsystem (Hemmung) verwandelt die Kraft in Zeit.

Die Laufzeit einer Automatikuhr ist abhängig von ihrem Träger, sollte aber bei Vollaufzug je nach Uhrwerk mindestens 36 Stunden betragen. Diese Zeit, in der die Uhr ohne Bewegung weiterläuft, nennt man Gangreserve oder auch im Französischen Reservé de Marche. Ist diese Zeit abgelaufen und der Zeitmesser einmal stehen geblieben, so muss dieser zwingend einmalig über die Krone aufgezogen werden, um die Zugfeder vorab zu spannen. Das Einstellen und Anlegen einer Automatikuhr bei völligem Stillstand, ohne die Uhr manuell aufzuziehen, reicht nicht aus. Der kostbare Zeitmesser kann am Handgelenk stehen bleiben.

Erfunden wurde die tragbare Uhr mit Automatikaufzug übrigens nicht von einem gelernten Uhrmacher, sondern von dem uhrmacherischen Autodidakten Abraham-Louis Perrelet im Jahr 1770. Damals ging es noch um Taschenuhren, deren kleine Aufziehschlüssel oft verloren gingen. Allerdings funktionierte der Selbstaufzug bei den Taschenuhren nicht sonderlich gut, da sie nur wenig bewegt wurden. Erst das Aufkommen der Armbanduhr in den 1920er-Jahren verhalf dem automatischen Aufzug zum Durchbruch.

Ein ganz besonderes Exemplar dieser Uhrwerksgattung ist das BVL 138 von Bulgari. Es treibt die neue „Octo Finissimo Automatic“ an. Mit einer Höhe von nur 2,23 Millimetern ist das Automatikwerk besonders flach. Als Schwungmasse dient ein Mikrorotor aus Platin, denn der edle Zeitmesser hat einen Gehäusedurchmesser von lediglich 40 Millimetern. Die Gangreserve beträgt stattliche 55 Stunden. Bewundert werden kann dieses Meisterstück der Präzision und Uhrmacherkunst durch das Saphirglas im Gehäuseboden.

Das ist aber nur eines der spannenden Geheimnisse einer mechanischen Uhr. So verpufft die ganze Energie, die durch das Aufziehen der Feder entsteht, in Sekundenbruchteilen, wenn nicht die Hemmung regulierend eingreift. Was es mit diesem kleinen, unverzichtbaren Wunderwerk einer jeden mechanischen Uhr auf sich hat, erfahrt ihr im zweiten Teil unserer kleinen Serie „Uhrenwissen“.

 

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